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Chronik Sea1
 
Ende 2004-1

Zu dieser Zeit waren meine beruflichen Aktivitäten aufgrund Arbeitsmangel ziemlich geschrumpft. Im Fachjargon nennt sich das Arbeitslosigkeit. Wie dem auch sei, ich konnte mich einem Thema widmen, das ich schon immer mal verfolgen wollte: einen Röhrenverstärker bauen. Ich wollte ganz einfach herausfinden, was da dran ist, ob so ein Teil tatsächlich so gut klingt. Auf die Idee einen zu kaufen bin ich erst gar nicht gekommen.

Rückblick

Der Grund des Selbstbauens hat mein ganzes Leben eigentlich begleitet. Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker in den 70er Jahren, Weiterbildung zum Elektrotechniker/Elektronik Anfang 80er. Lautsprecher und Verstärker fast immer selbst gebaut. Ich war auch nie mit dem Klang fertiger Teile zufrieden. 'Was die können kann ich doch mindestens genauso gut' habe ich oft gedacht. Zuerst nach vorgegebener Schaltung gebaut. Als staatl. gepr. Techniker hatte ich dann auch genügend fachliche Qualifikation Verstärker selbst zu entwicklen. Es ist auch was dabei rausgekommen, das mich weit über 10 Jahre 'musikalisch' begleitet hat.

Ende 2004-2

Die Röhrenszene ist voll da, und mittlerweile gibt es wieder genügend Röhren, die Bauteile haben an Qualität zugelegt. High-End und audiophiles Hören ist voll im Gange. "Habe ich was verpaßt?". Im Internet recherchiert, was es so gibt, Schaltungen analysiert, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, was für ein Mist sich so manche ausdenken. Ich meine so manche Schaltungen und Schaltungstechniken. Bei einigen anderen Dingen, was ich für übertrieben und nicht glaubwürdig hielt, mußte ich meine Meinung während der ganzen Test- und Hörphasen doch korrigieren. Z.B. hielt ich den gemessenen Klirrfaktor für ein aussagekräftiges Argument der Klangqualität. Das löste sich aber später in 'Schall' (im wahrsten Sinne des Wortes) und 'Rauch' (geraucht hat mein Kopf) auf.
Die erste Aufgabenstellung war die schwerste: Eintakt- oder Gegentakt-Verstärker. Der Verstärker sollte auch mit wenigen Bauteilen auskommen, preiswert zu bauen sein, und an fast jedem Lautsprecher auch funktionieren. Nun ja, so 6 Watt sollten dazu reichen. Die Entscheidung fiel dann auf Eintaktverstärker. Und welche Röhren? Auf jeden Fall welche, die erstmal preiswert sind und auch noch produziert werden. Na ja, und das Aussehen spielte auch eine Rolle. So fiel die Entscheidung auf die 6L6GC und 6SL7GT.
Röhrengleichrichtung oder nicht? Ich wollte auch keine Halbleiter, hatte das Halbleiterrauschen im Kopf als ich an einen Silizium-Brückengleichrichter dachte. Also mußte eine Gleichrichterröhre her, und zwar die GZ34. Mit der Schaltung hatte ich wohl irgendwie Glück gehabt, die fiel mir über Nacht ein. Es durfte ja auch nichts plagiates sein, und das gewisse Etwas durfte auch nicht fehlen. Und da war sie auf einmal in meinem Kopf drin, die Schaltung. Alle nötigen Berechnungen durchgeführt. Aus irgendeinem Grund (mehr Bauchgefühl) die Kondensatoren für eine untere Grenzfrequenz von 20 Hz ausgelegt.
Ein Testaufbau für Mono begann, Alu biegen lassen, gebohrt, Teile bestellt, aufgebaut. Zuerst natürlich Spannungen und Frequenzgang gemessen, das sah gut aus. Das was ich berechnet hatte, stimmte. Das 'gute Gefühl', was richtig gemacht zu haben.
Jetzt wurde es spannend: Box dran, CD-Player dran, CD rein, durchatmen, oder doch noch mal kurz alles sacken lassen? -- Play, Lautstärke langsam aufgedreht. Ich war erstaunt was aus einer 6 Watt Röhre so an Klang und Bums rauskam. Nicht das ich unzufrieden war, ich war sogar begeistert, aber meine erste Frage war: da muß doch noch mehr drin sein, oder? Wenn ich hier etwas weniger und da etwas mehr, oder doch andere Vorstufenröhren? Hier und da rumprobiert, letzten Endes war die Schaltung doch so wie bei dem ersten Entwurf.

Anfang 2005

Stereo mußte her. Also nochmal Teile bestellen. Chassis bauen, das war richtig aufwändig, zumal die Trafos auch einiges wiegen. Also Aluprofile, Bleche schneiden, biegen usw. So gebaut, das man das Teil nur noch verkleiden braucht. Fertig, angeschlossen und wieder ein Erfolgserlebnis mehr. Toll was da rauskommt. Andere Meinungen mußten her (über den Klang, nicht über das Aussehen). Das Teil spielte schon klanglich besser als ein Transister Class A von der Stange. Jetzt kam mir der Gedanke, das Teil zu veröffentlichen und in Serie zu bauen, damit auch noch Geld zu verdienen. Aber das erwies sich doch wesentlich schwieriger, als überhaupt vermutet. Gehäuse und Chassis mußten gefertigt werden. Zeichnungen für Chassis angefertigt. Aber dann ging es los, mehrere Metallverarbeiter abgeklappert. Teilweise wurde Schrott, unbrauchbare krumme Chassis hergestellt. Ein Chassis konnte ich zumindest so verwenden, um einen neuen Verstärker aufzubauen und verkleiden zu können.
Bauteilebeschaffung, Bauteileauswahl, die Trafos waren natürlich das Teuerste. Also einen anderen Trafohersteller gesucht. Zum Glück jemanden gefunden, der auch noch das Know-How zum Wickeln der Ausgangsübertrager hat. Erst Prototypen anfertigen lassen. Den Ausgangübertrager zweimal überarbeiten lassen, das Beste war gerade gut genug, also doppelt geglühtes siliziumlegiertes dynamisches Blech, verschachtelte Wicklungen. Gegenüber dem Ausgangsübertrager von der Stange (waren auch schon High-End) war der Neue bei weitem besser, schon allein der Klirrfaktor war nur noch halb so groß.
Durch Zufall habe ich jemanden kennengelernt, der sich mit audiophilem Hören gut auskennt. Dort konnte ich mein Teil an Hornlautsprecher, die preislich eine ganz andere Dimension sind, anschließen. -- Ernüchterung, mein Teil hörte sich richtig schlecht an, jedenfalls gegenüber dem dazu passenden High-End Halbleiterverstärker. In meiner Werkstatt angeschlossen, gemessen, gehört. Tatsächlich, hört sich irgendwie schlecht an (Scheiße wollte ich nicht schreiben). Als ich die Verdrahtung zu den Ausgangsübertragern zum x-ten Male kontrolliert hatte, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren -- falsch rum! Geändert und höre da, das war´s. Nochmal hin zum Audiophilem. Und? Ja, genau das was ich mir gedacht und erhofft hatte, meiner war besser...

Mitte 2005

Keinen Gehäusehersteller gefunden, wieder neue Chassis und Gehäuse gebaut, Profilsystem verwendet, was mit Holz probiert. Weiteren Prototypen gebaut, ganz aus Alu.

August/September 2005

Durch Kontakte inoffizieller Test von einem angesehenen Redakteur der High-End Szene.
Ergebnis: Klasse.

Rest 2005

Alles auf Eis gelegt, kein Geld mehr.

Anfang bis Mitte 2006

Glück gehabt, kann die Sache mindestens für ein halbes Jahr weiter machen. Designer gefunden, der sogar die Gehäuse/Chassis bauen lassen kann. Designentwurf wurde vorgestellt, sah ganz brauchbar aus (Meine Meinung, das Aussehen soll schließlich anderen gefallen!). Jetzt kam auch noch eine Gewissensentscheidung auf mich zu: Fernbedienung und mehrere Eingänge! Schlecht, hatte ich gedacht. Die Logik gebahr eine gewisse Zustimmung, 3 Knöpfe vorne sahen auch nicht so schlecht aus. Schlaflose Nächte gehabt, mein Bauch rebellierte. Ich wollte mich nicht der 'Konkurrenz' anpassen. Nach einer Woche fühlte ich mich besser -- der Bauch hat gesiegt, keine Fernbedienung, nur 1 Eingang.
Jetzt kam das Problem mit dem Ein/Aus-Schalter, das passt doch nicht zum Design, sieht asymetrisch aus, Lautstärke in der Mitte und wo der Schalter? Also Mechanik entwerfen, die von der Potiachse den Schalter mit betätigt, na ja, Feeling wie bei den alten Röhrenradios. Wollte sowieso den Netzschalter nah am Trafo anbringen. Und jetzt? -- schon wieder ein Chassis konstruieren, mußte ja ins Design passen, feilen, sägen usw., Gerät neu gebaut. Zeichnungen zum Designer geschickt. Hier und da noch ein paar Kleinigkeiten rechts und links verschoben, fertig. -- Denkste, der erste gebaute Prototyp hat sich Woche um Woche, Monat für Monat verschoben!. Irgendwie hatte ich schon die Ahnung (schon wieder mein Bauch). Deshalb hatte ich das Chassis so konstruiert, das nur Aluplatten gefräst werden brauchten. Jetzt ist das Teil so konstruiert, das ich alles selber machen kann. Dauert halt länger. Holzverkleidung hatte ich auch noch im Kopf. Mittlerweile konnte ich auch furnieren (was man so alles lernt..?).
Jetzt kam aber noch was gravierendes -- ich mußte die Schaltung ändern! Der Grund lag in den 6SL7GT, die Qualität dieser Röhren war wirklich schlecht. Von mindestens 10 Röhren konnte ich nur eine verwenden, knacken und rauschen wie beim Kofferradio, dazu noch gut als Mikrofon als zu benutzen. Da habe ich laut 'schlecht' geschrien. Und zu guter Letzt haben mich die russischen 6L6GC auch noch verlassen. Ich brauchte selektierte Endstufenröhren. Neuen Lieferanten, neue Röhren. Umbau auf 6SN7GT von Elektro Harmonix, 6L6GC von JJ. Selektierte JJ waren ganz brauchbar, ca. jedes 2. Paar kann ich verwenden, das ist ok. Die 6SN7GT hörten sich auch sehr gut an, allerdings doppelter Heizstrom, dadurch knappe Heizspannung (weil nicht stabilisiert) und mehr Brumm vom Trafo in die Ausgangsübertrager.
Was tun?, -- andere Vorstufenröhren, auch wenn es nicht gefällt, ECC rein, ein Drähtchen von hier nach da, ein bißchen Belastung für das 'unnötige' Triodenteil und dann mit der ECC82 mindestens die gleiche Qualität hinbekommen. Wenn schon, denn schon, habe ich gedacht und noch Ferrite an allen Ein- und Ausgängen dran. Vertreter vom Hersteller war zu mir gekommen, hat erstmal eine Stunde Musik gehört, dann haben wir die Ferrite ausgesucht. Der Elektrosmog muß nicht auch noch in meinem Gerät rumgeistern und am Klang rumfummeln. Die letzten Änderungen haben doch was gebracht gegenüber der Ursprungsversion. Aber es hört ja nicht auf; Als ich dann die ECC802S von JJ reinsetzte, war ich hin und weg, noch besser. Wo soll das noch hinführen?
Ende Juni wurde das Gerät, dessen Name jetzt Sea1 ist, 'positiv' im positivem Sinne im av-magazin.de getestet.
Fertig, verkaufsfertig!
P.S. Der Designer hat sich mittlerweile sang- und klanglos verabschiedet...
Am Donnerstag, dem 05.07. bekam ich einige Kondensatoren von einem deutschen Hersteller aus Köln. Gold, Silber und ein niedriger tangens alpha gingen mir nicht aus dem Kopf, also ausprobieren. Ich traute mich zuerst gar nicht die reinzubauen, hatte mich psychisch und emotional ein paar Tage darauf vorbereitet. Hatte vielleicht Angst, es könnte noch besser werden, geht das überhaupt noch? Der richtige Tag war der 11.07., oder war es der 12.? Morgens um 10, Anlage eingeschaltet, Pontus Lautsprecher dran, erstmal Musik gehört, J.J. Cale´s 'No Time' schien mir die richtige Referenz zu sein, Klang im Kopf abgespeichert, CD-Player auf Pause. Dann Lötkolben eingeschaltet, Gerät aufgeschraubt. Alle reinbauen?, ok, nur soviel wie Platz ist, die Dinger sind ja riesig. Koppelkondensatoren (mit Gold, Silber etc) eingebaut. Dann die riesigen glatten Elkos an die Kathode. Vorher messen oder Überraschung? Nix messen, Überraschung. Gerät zugeschraubt, angeschlossen. Einschalten, kurze Pause machen oder erst Pause machen und dann Einschalten? 'Du schaltest jetzt ein, wartest kurz, Skip auf Anfang, Pause drücken und langsam den Lautstärkeregler aufdrehen' habe ich mir gesagt und schließlich auch getan. Ich traute meinen Ohren nicht! Mir lief ein Schauer über den Rücken, mir wurde schwindelig. Die ersten Takte reichten und Klang und Raum haben für mich wieder eine andere Dimension erlangt.